Neulich auf dem Weg zur Arbeit fiel mir erst wieder auf, wie mies der Service bei der Deutschen Bahn überhaupt ist. Eigentlich war es mir ja immer bewußt aber in diesem Moment wurde mir das erst richtig klar. Und ich bemerkte ebenfalls, dass die Deutsche Bahn-Führungsebene das wohl ebenfalls wußte.
Es ist in dem Pendlerzug von Gießen nach Frankfurt am Main, mit dem ich morgens meistens fahre schon häufiger vorgekommen, dass das WC nicht in Betrieb war. Ich hab das meistens ganz gut im Blick, denn ich setze mich recht oft in den letzten Wagen, wo die Öko-Pendler Platz haben, um ihre Fahrräder mitzunehmen. Dort befindet sich auch ein WC, das aber auffällig oft kaputt zu sein scheint.
Es liegen mir jetzt keine Erkenntnisse darüber vor, ob es sich immer um den selben Waggon und das selbe kaputte WC handelt, aber selbst wenn wäre eine Frechheit der Deutschen Bahn ihren Kunden gegenüber. Was mir aber neulich auffiel war die Tatsache, dass die Deutsche Bahn und ihre Ingenieure offensichtlich stark bemüht sind, ihre Fahrgäste darüber aufzuklären, dass die WCs außer Betrieb sind. Dies tut man durch ein eigens dafür angebrachtes beleuchtetes Schild, dass sich neben der WC-Tür befindet. An sich eine tolle Idee: die Leute sind informiert und gut ist. Aber der Unfug steckt im Konzept: was mag so ein Leuchtschild in jedem Waggon neben jedem WC kosten? Wäre es da nicht weitaus billiger, wenn die Deutsche Bahn dafür sorgen würde, dass die WCs in den Pendlerzügen funktionieren, anstatt das Geld für unsinnige Informationssysteme auszugeben? Zumal außerdem meist noch ein gelber mehrsprachiger Zettel an der Tür klebt, den man auch besser erkennt als eine popelige Funzel-Info rechts von der Tür, strategisch oberhalb der Werbetafel.
Ich glaube, was einen am Meisten an der Bahn nervt, neben den gemessen am Service unverhältnismäßig hohen Preisen, ist das Gefühl, dass einen die Deutsche Bahn verarschen will. Da fahren Züge mit Pendler gefühlte Ewigkeiten hinter lahmen Güterzügen hinterher und die lapidare Ansage ist, ein “langsam vor uns fahrender Zug”. Da wird auf freier Strecke gehalten wegen “hoher Streckenauslastung”. Da werden High Tech-Infoschilder installiert die über Umstände informieren, die man dann sowieso schon erkannt hat, bis man das Schild entdeckt hat. Denkt da denn keiner nach?
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Genussvoll aus Gießen
Endlich: eine Favela für Frankfurt
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Ars gratis Novartis – Wenn Markennamen außer Kontrolle geraten
Novartis, Aventis, Avanza, Evanzo. Wer denkt sich eigentlich solche Namen aus? Okay, ich weiß, es sind Branding-Agenturen, wie die, bei denen ich mich mit Sicherheit auch schon mal beworben habe. Aber wie kommen die Typen drauf, eine Firma so zu nennen wie ein Auto.
Der neue Chrysler Novartis, ein hochwertiges Fahrzeug für die automotive Oberklasse. Klingt doch richtig, oder? Auf jeden Fall strahlt es mehr Power aus als Hoffmann-LaRoche. So hießen sie früher…
Und wie man die Idee haben kann, einen Stromkonzern mit einem Namen zu bezeichnen. Ob Avanza jetzt der Kleinwagen neben Primera, Almera, Almeria oder Alabama ist, weiß doch keiner mehr. Worauf ich hinaus will, ist daß die vermeintlichen Markennamen mittlerweile austauschbar sind. Man weiß doch garnicht mehr, welcher Name wohin gehört. Opodo ist ein Reiseportal im Internet, könnte aber auch genau so gut eine Hämorrhoiden-Salbe sein. Ricardo.de ist ein Auktionshaus, könnte aber genauso gut die Internet-Adresse eines mediterranen Callboy-Services sein.
Wo ist die gute alte Zeit, als ein Unternehmen noch einen bedeutungsvollen Namen hatte, wie z.B. den Familiennamen des Gründer, oder eine Abkürzung davon. Selbst den Firmensitz als Markennamen wie bei Nokia finde ich ja okay.
Nur diese Flut an Phantasienamen, die allesamt austauschbar werden und klingen, als wären sie Latein oder Griechisch und am Ende überhaupt nichts aussagen, außer dass die Leute, die sie sich erdacht haben genauso wenig Ahnung von diesen Sprachen haben wie diejenigen die darüber entscheiden, das nervt. Wie aber können wir uns gegen diesen Wort- und Namensmüll zur Wehr setzen? Wer soll uns denn zuhören, wenn wir schon nur noch von wohlkingenden und mit Polierpaste geglätteten Schaumschläger-Begriffen und Namen umgeben sind.
Neckermann klingt wie jemand , der andere ärgert. Ist er aber nicht, im Gegenteil. Das Versandhaus hat bis zu seiner finanziellen Bauchlandung viele Kunden glücklich gemacht. Amazon, das Internetkaufhaus, macht heutzutage die Post glücklich, aber keiner weiß wie man den Namen ausspricht. Ist es die englische Aussprache für die Reiterin oder soll man es deutsch klingend aussprechen, aber ohne das E am Ende? Wer weiß. Wer aber macht sich bei der Namensgebung überhaupt Gedanken dieser Art? Bei manchen neuen Firmennamen habe ich so meine Gedanken.
Zuerst publiziert am 11.Dezember 2006
Originalartikel lesen: http://www.toalster.de/archives/303




